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Kaffee und seine Geschichte – vom Luxusgut bis zur Third Wave
Ein äthiopischer Ziegenhirte, jemenitische Mönche und das Kaffeeverbot im Osmanischen Reich: Die Geschichte des Kaffees ist eine Reise um die Welt. Lange Zeit war Kaffee ein Luxusgut. Doch wann hat sich das geändert? Ein Überblick.
Kaffee ist heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ob als Wachmacher vor der Arbeit, mit Freunden im Café oder als Koffeinspritze im Büro – das Getränk ist immer dabei. Ob als Espresso aus dem Siebträger oder als frisch gebrühter Filterkaffee mit der V60 – das koffeinhaltige Getränk wird derzeit in jeder Form zelebriert. Doch seit wann trinken die Menschen Kaffee? Und woher kommt das Getränk eigentlich? Wir geben einen Überblick über die Geschichte des Kaffees.
Eine äthiopische Legende
Die Geschichte des Kaffees beginnt im äthiopischen Königreich Kaffa – mit einer Ziegenherde. Genauer gesagt mit einer sehr aufgedrehten Ziegenherde. So aufgedreht, dass sie dem schlafenden Hirten Kaldi der Legende nach im neunten Jahrhundert davonliefen.
Auch als Kaldi nach dem Aufwachen wie gewohnt seine Bambusflöte blies, kam keine Reaktion. Kaldi suchte und suchte. Schließlich fand Kaldi seine Ziegen. Doch die sonst schläfrigen Tiere verhielten sich merkwürdig. Sie sprangen wild herum und meckerten übermütig, sodass der Hirte Kaldi stutzig wurde. „Was haben die nur probiert?“, dachte sich Kaldi.

Am nächsten Tag entdeckte er rote Beeren, die auf Zweigen wuchsen. Er kaute selbst auf ihnen herum – und begann aufgemuntert an zu tanzen. Der Ziegenhirte Kaldi füllte sich daraufhin die Taschen mit den roten Beeren und brachte sie nach Hause. Seine Frau schickte ihn daraufhin zu einem örtlichen Kloster, um mehr herauszufinden. Doch der islamische Mönch hielt die Beeren für das Werk von bösen Dämonen und warf sie kurzerhand ins Feuer, aus dem ein verlockender Duft quoll. Die gerösteten Bohnen wurden schnell aus der Glut gefischt, zerdrückt und in heißem Wasser aufgelöst – die erste Tasse Kaffee der Welt war geboren.
Über den Jemen in die ganze Welt
Ob die Legende von Kaldi stimmt oder nicht – dass die Kaffeepflanze aus Äthiopien stammt, ist unumstritten. So verbreitete sich der Kaffee ab dem 11. Jahrhundert bis zum Jemen – vermutlich über Sklavenhändler. Die roten Bohnen wurden in kurzer Zeit sehr populär unter jemenitischen Mönchen, um die langen Gebetsstunden wacher zu bewältigen.

„Qahweh“ wurde er dort genannt – eine frühe Bezeichnung für Kaffee, sie bedeutet so viel wie Lebenskraft oder Stärke. Es waren jemenitische Sufi-Mönche, die im 15. Jahrhundert begannen, Kaffeebohnen zu rösten, zu mahlen und zu brühen. So konnten sie nächtelang wach bleiben und meditieren. Das brachte ihm vermutlich den Beinamen „Arabica“ ein.
Ihre Erfahrungen teilten die jemenitischen Mönche mit Pilgern, die den Kaffee mit auf ihre Reisen um die ganze Welt nahmen. Verschifft wurde das schwarze Gold fortan massig von der jemenitischen Hafenstadt Al Mocha in alle Welt, daher auch der Beiname „Mokka“. Erst nach Medina und Mekka, dann nach Damaskus, Kairo und schließlich nach Konstantinopel (1554).

Das war ein entscheidender Punkt, denn mit dem Osmanischen Reich expandierte auch das Kaffeegeschäft in aller Welt. Diplomaten und Staatsoberhäupter aus aller Herren Länder probierten im Osmanischen Reich vom Kaffee – und nahmen das Souvenir mit in ihre Heimat.
Osmanisches Reich: Kaffeetrinkern drohte die Hinrichtung
Im Osmanischen Reich war Kaffee zeitweise sogar verboten, es galt als „haram“. Denn mit dem Genuss von Kaffee gingen oft politische Diskussionen einher – eine Gefahr für die herrschende Klasse. Beim Kaffeeklatsch ging es um Revolutionen, Kriege oder um die Korruption eines Pashas. Viele konnten damals nicht lesen und schreiben, deswegen war der mündliche Austausch im Kaffeehaus sehr wertvoll.
Das ging Sultan Murad IV. (1612-1640) zu weit – er ließ Kaffeehäuser daraufhin verbieten – und brannte viele sogar nieder. Wer Kaffee trank, dem drohte die Hinrichtung. Doch die Kaffeehäuser waren sehr beliebt und wurden immer wieder errichtet.
Das erste deutsche Kaffeehaus
Um 1650 kam der Kaffee schließlich in Europa an. Erste Kaffeehäuser eröffneten in Venedig (1647), London (1652), Wien (1685) und schließlich auch in Paris – sie wurden jedoch nur von Reichen und Künstlern besucht. Das erste deutsche Kaffeehaus eröffnete 1673 am Bremer Marktplatz. Kurz darauf folgte Hamburg (1677). In Berlin kam der Trend erst im Jahr 1721 an.
Wie der Kaffee nach Südamerika kam
Das Handelsmonopol blieb jedoch lange Zeit in der Hand der Araber, die ihr schwarzes Gold sorgsam behüteten. Deswegen waren Kaffeebohnen lange Zeit ein begehrtes und teures Gut – das sich nur der Adel leisten konnte. Schließlich gelang es den Europäern doch, einige Setzlinge zu stehlen. Über den Seeweg wurde der Kaffee schließlich in die Kolonien in Lateinamerika und in die Karibik gebracht, wo ideale Voraussetzungen für den Anbau der Kaffeepflanzen herrschten.
Die drei Kaffeewellen
Der Genuss von Kaffee war bis ins 19. Jahrhundert zunächst einer reichen Elite vorbehalten, den Königen, Fürsten und dem Hofadel – der Durchschnittsbürger hatte keinen Zugang zu dem Luxusgut. Das änderte sich mit der industriellen Revolution, als die Fabrikbesitzer merkten, dass Kaffee eine produktionsfördernde Wirkung hat. Schließlich kam die erste Kaffeewelle: ab den 1950er Jahren wurde Kaffee zum Massenprodukt, bekannt aus der Fernsehwerbung und bereits fertig gemahlen und vakuumverpackt im Supermarktregal.
Die Qualität spielte keine große Rolle, wichtig war die Wirkung. Mehr Qualität für alle gab es mit der zweiten Kaffeewelle. Starbucks achtete auf die Qualität seiner Kaffeebohnen – so war die Konkurrenz gezwungen, es ihnen gleichzutun. Der Geschmack von Kaffee wurde bei Starbucks jedoch oft mit viel Sirup, Zucker oder Milch überspielt. „Gibt es hier überhaupt noch eine Tasse schwarzen Kaffee?“, begannen die Leute scherzhaft zu fragen.
Die Third-Wave-Kaffeebewegung entstand Mitte der 1990er Jahre in Amerika. Woher kommt der Kaffee? Wird er fair und nachhaltig angebaut? Wie wurde er geröstet? Das fragen sich Kaffeekonsumenten der dritten Welle. Die gesamte Wertschöpfungskette der Kaffeebohne steht im Mittelpunkt, Kaffee entwickelte sich vom Luxusgut zum Lifestyleprodukt. Konsumiert wird Arabica-Kaffee, möglichst hell geröstet und als Single Origin. In den letzten Jahren ist die Zahl der Röstereien in Berlin und ganz Deutschland explodiert, auch wir bei Röststätte haben uns auf die Third Wave spezialisiert. Mehr zur dritten Kaffeewelle könnt ihr hier lesen.
Der Triumph von Robusta-Kaffee
Die Robusta-Pflanze wurde übrigens erst im Jahr 1898 im Kongo entdeckt. In Europa wurde allerdings bis in die 1970er-Jahre der bessere Arabica-Kaffee konsumiert. Wann kam also die Robusta-Bohne zu uns?

Der Siegeszug der Robusta-Bohne begann mit der Ölkrise in den 1970er-Jahren. Der Rohkaffee-Preis explodierte, denn Kaffee ist ein börsenorientiertes Produkt. Dann hat die Industrie angefangen, den Robusta-Anteil im Kaffee zu erhöhen, um den Preis halten zu können und um überhaupt noch Kaffee verkaufen zu können. Die Robusta-Pflanze war schließlich leichter im Anbau, wuchs schneller und enthielt mehr Koffein. Sie ließ sich leicht im vietnamesischen Hochland anbauen. Und Maschinen konnten sie leichter ernten. Dann haben sich die Leute Schritt für Schritt an den Geschmack gewöhnt.
Doch mit dem massenhaften Konsum von Robusta-Kaffee haben die Leute in den Jahren plötzlich Magenschmerzen und Bluthochdruck bekommen. Das wurde auf den Filterkaffee als Zubereitungsart zurückgeführt. Das lag aber nicht am Filter, sondern am hohen Robustanteil, weil er mehr Koffein und Chlorogensäure enthält. Der Weg zur dritten Kaffeewelle und zurück zur Arabica-Pflanze schien geebnet.
written by
Christopher Braemer
Christopher ist gelernter Journalist und arbeitet im Marketing von Röststätte Berlin. Für den Blog schreibt er über Kaffee aus aller Welt, aber auch über Wirtschaft, Politik oder Nachhaltigkeit.

Fotos: Shutterstock, Starbucks, Tai Lückerath, Laura Droße
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